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Tanz wie er hier verstanden wird, geht nicht mehr davon aus, dass es «den Tanz» gibt.
Gerald Siegmund   

 

Tanzwissenschaft

Das Wissen über, vom und durch den Tanz wird auf verschiedenen Wegen angeeignet und vermittelt. Auch im Tanztraining findet der kontinuierliche Lernprozess nicht nur auf der Körperebene statt: Anweisungen, Korrekturen, bildliche Metaphern, spezifische Körpererfahrungen während des Tanzens und ausserhalb davon, all dieses Wissen nährt die Körperintelligenz und ist sowohl vom Körper wie auch vom Gehirn abrufbar. In dieser Sichtweise hat Tanzpraxis immer auch eine theoretische Perspektive.Die beigefügten Texte sind Zeugeneiner schriftlichen Auseinandersetzung mit meiner Praxis.

Wie wertvoll eine vertiefte Reflexion über die eigene Kunstform ist, die durch Distanz zum Gegenstand «Tanz» neue Einsichten und Denkprozesse ermöglicht, habe ich in meinem Masterstudium in Tanzwissenschaft der Universität Bern erfahren. Die nachfolgenden Texte stammen aus unterschiedlichen Seminaren. Meine Masterarbeit «Inside the Solo – Die Autorschaft des Körpers im zeitgenössischen Autorensolo», befasst sich mit jener Form des Solotanzes, die die Funktionen der Tänzerin, Choreographin und Bühnenfigur in einer Person vereint. Dafür habe ich den Begriff des Autorensolos definiert. Die Arbeit untersucht die Funktion der Autorschaft im zeitgenössischen Tanz und begründet die These einer Autorschaft des Körpers. Neben der theoretischen Einbettung und Diskussion lasse ich meine persönlichen Erfahrungen als Autorensolistin in phänomenologischen Beschreibungen in die Arbeit einfliessen. Diese Textpassagen sollen auch immer wieder den materiellen Körper der Tänzerin wie auch der Leserin in den Vordergrund rücken.
Über Rückmeldungen zu meinen Überlegungen würde ich mich freuen!